Poetry Slam zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung

Der diesjährige Friedenslauf rückte die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen in den Fokus. Slam Poet Lukas Knoben aus Aachen hat dazu einen Text verfasst, den er mit viel Engagement am Ziel-Etappenort vortrug.
Sein Text:

  1. Tamila
    Arbeit für nen Billiglohn
    nur für einen Bissen Brot.
  2. Dieser Bissen ist zu wenig
    für mein neugeborenes Baby.
  3. Denn jeder Schluck, denn jeder Schmatz
    bedeutet neue Lebenskraft.
  4. Und hilft ihr sich zu entwickeln,
    will sie auf ne Schule schicken.
  5. Nur dort lernt sie unablässig
    und wird stolz, wird unabhängig.
  6. Jerome
    10 Stunden Arbeitskraft
    ohne einen Schluck zu trinken.
  7. Die Fabrik wirft Schadstoff ab
    und bringt dadurch Luft zum Flimmern.
  8. Lunge zittert, Atem schlapp
    doch krieg keinen Schutz zum Sichern.
  9. Doch auch wenn ich Panik hab‘,
    gibt es keine Flucht, wohin denn?!
  10. Gibt doch keine Partnerstadt,
    auch kein Land zum Flüchten sicher.
  11. Leb im Smog, das Atmen kratzt
    werd‘ hier nicht alt, die Welt doch nicht mal.
  12. Jacek
    Steh am Band, Artikel rolln
    Massenware, eher wie Müll
  13. Hab die Arbeit nie gewollt,
    weil unser Plastik Meere füllt
  14. Schau wie selbst das blaue Gold
    noch in Folie eingehüllt
  15. Und das grüne Gras verdorrt
    unsre Erd vergreist im Nu.
  16. Erde
    Schaut man von oben auf mich drauf,
    erzittern Haupt und Haar.
    Explosionen laut und Rauch
    mein Kopf kommt kaum noch klar.
    Die Menschen verstritten,
    streiten in großer Schar.
    Durch meine Adern läuft das Blut,
    die Zukunft in 17 Zahlen.
  17. Und deshalb: Helfen auch Sie jetzt mit. Nur gemeinsam können wir die Missstände
    auf dieser Welt bekämpfen und unseren Kindern eine bessere Welt, eine aussichtsreiche
    Zukunft ermöglichen. Spenden sie jetzt unter 0175771…. Zzzzzpt

„Laaaangweilig.“ Gröhle ich dem Fernseher entgegen, ziehe die Hand aus der Pringles Dose
und wechsle das Programm.
Verdammt, ich bin weiß, männlich, Westeuropäer, Student. Akademische Speerspitze eines
der reichsten Länder des Planeten. *Puuuhh* sorry zu viel Cola.
Alter, ich lebe ein Leben, in dem ich mir aussuchen kann, ob ich fett werde oder nicht.
Mein Bodymaßindex ist mir sozusagen hörig, abhängig davon, ob jetzt Light oder extra viel
Zucker vor dem Namen meines Softdrinks steht. Ich meine klar, Glück gehabt…ohne Frage,
aber kann ich ja nichts für.
Was muss ich mich denn jetzt für die anderen interessieren?! Ausrichten kann ich ja auch nix.

– Schnitt –

Es ist schon ein Wunder wie dieser
Mensch den Blick für seine Umwelt verlieren kann.
Solange es ihm gut geht, genießt er
und interessiert sich im Grunde für niemand.
Er klappt die Lider nach unten,
schließt sie ab,
schluckt den Schlüssel runter
und sieht schwarz
oder zumindest nur das, was er sehen mag,
bevor sich noch der eigene Kummer vervielfacht.

Denn Eine Frau,
die sich um das gleich sein schert
hinterm Lenkrad fix auf Reisen geht,
wird glatt dafür eingesperrt.
Ja, Ahmed dens nach Freiheit zehrt
kriegt dafür gleich Blei ins Herz
man schmeißt ihn auf den Leichenberg
weil er grad die falschen wählt.

Aber Dafür Dass uns das passiert,
ist das doch viel zu weit entfernt.

Ja, jeder Liter Blei im Meer,
jedes Plastikteil verstärkt
das Leiden unsrer heilen Welt.
Sieh sogar der Eisbär merkt,
dass sich grad kein Eis vermehrt.
Doch wir machen weiter als wär
unsre Zukunft keinem was wert.

Denn Dafür dass uns das interessiert,
ist das jetzt noch viel zu weit entfernt.

Egal, ob Krieg am Schwarzen Meer
Egal, ob Umrisse von Kreide der
Opfer religiöser Peiniger.
Egal, ob Kinderarbeiter
die unter Blut und Schweiße zäh
für uns einen Nike Schuh nähn.

Dafür Dass uns das passiert,
ist das doch viel zu weit entfernt.

Wenn Chemnitz Raserei erfährt
von denen die das Reich verehrn
Ja, jede Diskussion ein Kreisverkehr
bei dem leider die Einfahrt fehlt
Wenn hellblau sich der Reichstag färbt
und man dort dann nur die Reichen stärkt
Wenn ich Politiker nur durchs alt sein werd
und wen intressiert überhaupt der Treibgaswert?!

Dann ist das doch dafür dass uns das passiert,
wirklich viel zu weit…entfernt, oder?

Es ist schon ein Wunder wie dieser
Mensch den Blick für seine Umwelt verlieren kann.
Solange es ihm gut geht, genießt er
und interessiert sich im Grunde für niemand.

Bis sich die Schlinge zuzieht…

– Schnitt –

Und deshalb:

  1. Für gerechte Löhne, egal in welchem Staat wird sind
  2. Und zwar genug, dass es den Menschen dort den Magen füllt.
  3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters
  4. Durch Bildung, Forschung, Förderung für alle. Und zwar
  5. egal mit welcher Sexualität sie es auch halten.
  6. Sauberes Wasser für alle, um die Kehle zu befeuchten
  7. Saubere Energie, Kraft, Antrieb für was Neues
  8. Mehr Stellen, Mehr Fairness, Mehr Anstand auch im Job
  9. Dafür dass mehr Ausbau noch ans Laufen kommt.
  10. Weg von 1. 2. 3. Welt
  11. Egal, ob auf dem Land oder im Städtischen
  12. Weil wir wissen wollen was wir kaufen
  13. Und noch in 50 Jahren über grünbewachsne Wiesen laufen.
  14. Denn unsre Meere sind nicht unsre Abfallstätten
  15. Verdammt wir müssen unsre Landschaft retten
  16. Für Freiheit, Frieden vor und hinter dem Gesetz
  17. Gemeinschaft. Gegen Zerstörung, gegen Krieg, gegen Hass und gegen rechts

Also aufgestanden, ihr wackeren Recken, ihr starken Kämpferinnen,
Beine ausgeschüttelt,
denn der letzte Lauf wars lang nicht,
da ist noch meilenweise Platz zum Tüfteln
Dabei ist der Weg egal, wählt euch einen aus
ob sportlich für den guten Zweck
oder auf Theaterbühnen drauf
ob durch Spendengeldersammeln
oder ne Unterschriftsaktion
oder ihr schreibt einfach nen Text und lest ihn andren Leuten vor Nur eins bleibt sicher:
Wir müssen kämpfen in großer Schar.
Denn die Zukunft, sie liegt vor uns in 17 Zahlen.

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